Von linke nach rechts: Ich, Siegfried Hansen, Heiko

Siegfried Hansen in der Mitte. Foto: © Achim Katzberg

Die Vorgeschichte:

Das ist nicht mein erster Workshop bei Siegfried Hansen. Letztes Jahr, so im Juni 2018 hatte ich zum ersten mal das Gefühl, mich auf der Straße zu langweilen. Es war nicht so, dass ich nur Mist auf der Speicherkarte hatte, wenn ich von meiner Tour durch die Stadt nach Hause kam. Aber ich hatte das Gefühl alles irgendwie zu kennen, alle Tricks ausprobiert zu haben, die mir so einfielen. Und ich brauchte einen Kick, um von der reinen Schwarzweiß-Fotografie weg zu kommen.

Kurzum: Es wurde Zeit für neue Inspiration und ür einen Workshop.

Ich fing an zu recherchieren, und habe drei deutsche renommierte Streetphotographen gefunden, die auch Workshops anbieten:

Martin U. Waltz
Marco Larousse
Siegfried Hansen

Alle drei sind hervorragende Fotografen, bei denen man bestimmt viel lernen kann, aber mich hat die Bildsprache von Siegfried am meisten beeindruckt.
Er sieht Dinge, an denen ich vorbei gelaufen wäre, seine Kompositionen sind meisterhaft und eine Prise Humor ist auch immer dabei. Ich war fasziniert und neugierig.
Ich habe mich angemeldet, weil ich wissen wollte, wie Siegfried zu seinen Bildern kommt, wie er seine Wahrnehmung schult und die außergewöhnlichen Motive findet.

Ich habe sehr von dem Workshop profitiert. Mir wurde klar, dass ich mit vielen Geboten und Verboten rugelaufen bin:
Schwarzweiss ist besser als Farbe, das Motiv ist möglichst immer auf einer Drittellinie, unscharfe Bilder sind misslungen usw.

Sanft aber nachhaltig hat er diese Dogmen aufgebrochen und neue Ideen in meinem Kopf gepflanzt, ohne dass ich das richtig mitbekommen hätte.
Siegfried ist ein sehr entspannter, humorvoller und zugewandter Mensch, der einem auf Augenhöhe begegnet.

Als mir einige Zeit nach dem Kurs klar wurde, dass ich tatsächlich den erhofften Entwicklungsschritt gemacht habe, habe ich Siegfried gefragt, ob er nicht auch einen Workshop in Hannover anbieten könnte.
Die Idee wurde schnell konkret und das Datum 28.-20. Juni 2019 stand.

 

Der Workshop in Hannover, Juni 2019:

Am Freitag gabs etwas zunächst etwas Theorie. Siegfried hat sein System vorgestellt, mit dem er an seine Arbeiten herangeht.
Statt wie viele andere Streetphotographen auf der Jagd nach dem nächsten guten Schuss zu sein, arbeitet er sich wie ein Sammler systematisch an sein nächstes Top-Bild heran. Auch wenn ich den Vortrag nicht zum ersten Mal höre, finde ich ihn immer noch spannend.

Danach folgte eine kritische Betrachtung der Bilder, die die TeilnehmerInnen vorher gemailt hatten. Seine Kritik war immer wohlwollend, motivierend und mit guten Tipps bestückt.
Ich habe wieder mehr begriffen über guten Bildschnitt und Komposition.

Samstag gings mit einem straffen Programm richtig zur Sache. Die ganze Zeit mit der Kamera in der Hand haben wir so einige Kilometer abgerissen.
Ich dachte ja, die Innenstadt von Hannover gut zu kennen. Aber mit Siegfried unterwegs zu sein, heißt ganz neue Sichtweisen und Motive kennen zu lernen.

Jederzeit war Siegfried ansprechbar, hat viel erklärt und ich konnte ihm mit den verschiedensten Fragen kommen, ohne dass er genervt oder von oben herab geantwortet hätte.
Was ich besonders toll fand: Es wurden niemals Dogmen verkündet, noch wurde man dahin gedrängt, so zu fotografieren wie er. Es ging immer nur darum, seine Wahrnehmung zu schulen und seinen Stil weiter zu entwickeln, frei von Vorgaben.
Am Ende des Tages wurden die Aufnahmen gesichtet und kritisch bewertet.

Sonntag sollte besonders hart werden. Es wurde mit 37° heftig heiss und wir wollten zum weltgrößten Schützenfest, einem der kulturellem Höhepunkte des Jahres in Hannover. Dieser Höhepunkt konnte normalerweise gerne ohne mich stattfinden. Ich stehe nicht darauf, in Menschenmassen zu fotografieren und ganz besonders nicht auf Schützenumzüge.
Seit dem Wochenende sehe ich das anders. Ich habe kapiert, dass man diese Trachten, Orden, Umzugswagen, Instrumente, Hüte, Federn usw. als zunächst abstrakte Formen und Farben auflösen kann, um sie dann wieder so zusammen zu setzen, bis neue spannende Kompositionen mit mehreren Ebenen daraus werden.

All dass war so faszinierend, das ich lange die extreme Hitze vergaß.
Am Sonntag Nachmittag gings zurück in den Seminarraum, die Abschlusspräsentation zusammenstellen. Aus den ganzen Bildern sollten wir die zehn Besten herausdestillieren. Etwas, was mir sehr schwer fällt. Am liebsten hätte ich einen Portfoliobeauftragten, der mir das abnimmt. Gottseidank hat mir Siegfried geholfen, und wieder einige Tipps gegeben, wie ich die Art des Auswählens optimieren kann.

 

Fazit:

Das war wirklich ein tolles Wochenende mit vielen Aha-Momenten, Spaß und tollen Begegnungen mit den anderen Teilnehmen.

Ich kann den Kurs bei Siegfried Hansen jedem empfehlen, der Street macht, und der Lust hat sich weiter zu entwickeln. Man muss gar nicht im Bereich der minimalistischen Streetphotographie unterwegs sein. In den Kursen bei Siegfried geht es darum, sein Sehen und seine Wahrnehmung weiter zu entwickeln, und seinen eigenen Stil zu finden.

Danke auch an Heide (unsere Quotenfrau), Sascha, Achim und Heiko! Das hat viel Spaß gemacht mit Euch!

 

 

Hier en paar meiner Fotos vom Wochenende:

 

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